Deutsche Flugkreisel - Gab's die?

(Textquelle: Verfasst von einem unbekannten Autor in Luftfahrt International 1975 Heft 9 - Dieser Bericht wird heute noch gerne als 'offizielle' Aussage zum Thema deutsche Flugkreisel benutzt.)

[...Als die Alliierten nach Beendigung des zweiten Weltkrieges die von ihnen erbeuteten, umfangreichen Unterlagen über deutsche Geheimwaffen gesichtet und teilweise veröffentlicht hatten, erschienen ab 1950 in der Presse laufend Meldungen über sogenannte "fliegende Untertassen" oder auch "Flugscheiben", die von den Deutschen während des Krieges entwickelt und erprobt worden sein sollten. Das Interesse an diesen ungewöhnlichen Fluggeräten war nach dem Krieg, in einer Zeit, in der man sich in Deutschland endlich Klarheit über die geheimnisvollen V-Waffen verschaffen wollte, nur zu verständlich. Und diese Wissbegier wurde im Falle der Flugkreisel natürlich noch dadurch verstärkt, daß um etwa die gleiche Zeit eine Welle von Meldungen über "Foo Fighters" und "UFOs" anlief, denen allerdings ein ganz anderer Ursprung nachgesagt wurde.

Bei den deutschen Flugkreiseln sollte es sich um Fluggeräte handeln, die durch ein um einen zentralen, nicht mitdrehenden Rumpf umlaufendes Rotor- oder Scheibensystem in der Lage sein sollten, sowohl senkrecht zu starten und zu landen als auch mit ungewöhnlich hoher Geschwindigkeit horizontal oder schräg in jeder beliebigen Richtung zu fliegen - womit ein solches Gerät für militärische Einsatzzwecke natürlich hochinteressant sein mußte.

In den ab 1950 veröffentlichten Berichten wurden im wesentlichen zwei verschiedene Modelle solcher Flugscheiben sowie eine als V 7 bezeichnete Flak-Mine ( siehe Profile) erwähnt. Einer dieser Flugkreisel sollte von einem Flugkapitaen Schriever, der andere von einem Dr.-Ing. Miethe entworfen und gebaut worden sein. Beiden Flugkreiseln wurden fantastische Flugleistungen nachgesagt.

Nach diesen Berichten wurde die Idee zu dem Schrieverschen Flugkreisel im Fruehjahr 1941 geboren, ein Modell - vermutlich dem bekannten Kinderspielzeug nachempfunden - im Juni 1942 geflogen und damit, nach Schrievers Ansicht, die Richtigkeit seiner Überlegungen bestätigt. Im August 1943 soll der Erfinder mit drei Vertrauten auf einem BMW-Platz bei Prag eine Großausführung seines neuen Fluggerätes gebaut und das ursprünglich mit Luftschrauben ausgerüstete Gerät im Sommer 1944 auf Strahltriebwerke umgerüstet haben. Im April 1945 war die fliegende Untertasse angeblich zur Erprobung fertig, konnte aber vor Kriegsende (8.Mai 1945, 24 Uhr) nur noch einen Probelauf, keinen Erstflug, durchführen und musste am 9. Mai 1945 gesprengt werden, wonach sich sein Erbauer samt Unterlagen nach Westen absetzte.

Aus heutiger Sicht wahrscheinliche Technische Probleme:
Bei den angegebenen 1800 U/min würden ganz gewaltige Zentripetalbeschleunigungen auftreten, die man in dieser Größenordnung (26200 g) sonst nur in der Waffentechnik und dort auch nur bei kleinkalibrigen Geschossen erlebt. Bei einem Triebwerksgewicht von 560 kg (Strahltriebwerk-BMW 003) müßten zur Aufhängung der Turbine massive Bolzen aus hochfestem Stahl verwendet werden, die, gleichmäßige Kraftverteilung vorausgesetzt, bei einer Zweipunktbefestigung jeweils 142 mm, bei einer Dreipunktbefestigung immerhin noch jeweils 116 mm Durchmesser hätten haben müssen. Dabei hätte diese enorm schwer ausfallende Aufhängung nur für das nicht in Betrieb befindliche Strahltriebwerk ausgereicht, nicht für das laufende ! Bei letzerem würden Kippmomente in der Größenordnung von 110 000 mkp auftreten. Die von Schriever konzipierte Untertasse war, jedenfalls in der vorgesehenen Konfiguration (Strahltriebwerke) so nicht einfach zu realisieren. Das vorgesehene Gewicht dürfte als problematisch angesehen werden.

Zu jener Zeit waren Werkstoffe und Triebwerke außerdem Mangelware, die man nur sehr schwer hätte beschaffen können. Das war nur bei entsprechender Dringlichkeit und mit Erlaubnis "von ganz oben" möglich. Das wäre dann aber wahrscheinlich irgendwie aktenkundig geworden.

Trotz aller Kriegswirren sind die Unterlagen von Speers Ministerium vollständig erhalten geblieben, ebenso wie die stenografisch aufgenommenen sogenannten Milch-Gespräche und die peinlichst genauen Angaben über Rohstoffverteilung, Personaleinsatz, Projektfortführungen usw. enthaltenden Kriegstagebücher der verschiedenen Rüstungskommandos. Merkwürdigerweise enthält *keine* dieser Dokumentensammlungen, von denen die Milch-Besprechungen über 40000 Seiten umfassen und das KTB des RK VIII den Zeitraum vom 15.8.1939 - 31.12 1944 lückenlos abdeckt, auch nur den geringsten Hinweis auf den Schrieverschen Flugkreisel, die Miethesche Flugscheibe oder die Flakmine V7...]

Anmerkung des Webmasters:

Von einer Vollständigkeit der Unterlagen kann keine Rede sein. Die Alliierten haben in zahlreichen Fällen, in denen Hochtechnologie und besonders ergiebige Waffensysteme erörtert wurden, entsprechende Informationen und Querverweise getilgt. Zahlreiche Unterlagen, die bereits in Deutschland Geheimhaltungsstufen trugen, befinden sich nach wie vor mit Klassifizierungen in Archiven der USA, Großbritanniens oder Rußlands - oft genug als Beutegut definiert, um die Brisanz der beinhalteten Informationen nicht zu offensichtlich werden zu lassen. Insgesamt wurden über 150 Tonnen! Aktenmaterial aus Deutschland entwendet bzw. als Beutegut deklariert, hinzukommen über 350.000! Patente - ein wirtschaftlicher Schaden für Deutschland wird in die Billionen beziffert.

Auch die erwähnten technischen Schwierigkeiten lassen keine Schlußfolgerung zu, daß die "Scheiben" hätten nie fliegen können. Die Angaben des unbek. Autors sind als "gestellte Aufgabe" anzusehen. Inwieweit sie erreicht werden konnten ist völlig unklar. Höchstwahrscheinlich, so ist es jedenfalls bei technischen Neuentwicklungen, die Ihrer Zeit voraus sind, ergaben sich beim Bau anfangs unlösbar scheinende Probleme. Sie werden dann durch Umkonstrukurierung, Verwendung anderer Werkstoffe oder Entwicklung solcher und geeigneter Geräte gelöst.